Psychothriller Rezensionen

Natalie Chandler: Voices

Inhalt von „Voices“

Tamsin Shaw liegt seit einem mysteriösen Autounfall im Koma. Was niemand weiß: Während sie nicht einmal einen Finger bewegen, geschweige denn die Augen öffnen kann, ist sie bei vollem Bewusstsein. Auch erinnern kann sich Tamsin nicht. Nicht an den Unfall, der sie ans Bett fesselte, und auch nicht an die Tage zuvor. Als Psychiaterin weiß sie, dass diese Art von Dornröschenschlaf sie vor einer besonders traumatischen Erinnerung schützen soll.

Beklemmender als jeder Albtraum:Wie schlimm muss die Erinnerung sein, wenn dein Unterbewusstsein dich dafür sterben lassen würde?

Als ihr Ehemann Jamie plötzlich beschließt, Tamsin aus ihrem vermeintlich hoffnungslosen Zustand zu erlösen, beginnt ein verzweifelter Kampf gegen die Zeit. Wenn sie jemals wieder ihre Tochter in die Armen schließen möchte, muss sie sich erinnern! Doch was, wenn die Wahrheit nicht nur schmerzhaft, sondern tödlich ist …

Meine Meinung

„Voices“ hat mich komplett überrascht – und zwar so sehr, dass ich das Buch tatsächlich an einem einzigen Tag durchgelesen habe. Ich konnte einfach nicht aufhören.

Die Vorstellung allein ist schon beklemmend: Tamsin liegt im Koma. Bewegungsunfähig. Sprachlos. Für die Außenwelt nicht ansprechbar. Aber sie ist bei vollem Bewusstsein. Sie hört alles. Jede Entscheidung. Jeden Zweifel. Jedes Gespräch an ihrem Bett. Und niemand weiß es.

Dieses Setting erzeugt von der ersten Seite an eine enorme Spannung. Man ist quasi mit ihr gefangen – in ihrem Körper, in ihrer Ohnmacht, in dieser lähmenden Hilflosigkeit. Und gleichzeitig weiß man: Da stimmt etwas nicht. Der Unfall wirkt nicht wie ein simples Unglück. Und warum kann sie sich an die Tage davor nicht erinnern?

Die Kapitel wechseln geschickt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Tamsins Perspektive und anderen Blickwinkeln. Dadurch setzt sich das Puzzle Stück für Stück zusammen. Immer wenn ich dachte, ich hätte den Überblick, kam die nächste Wendung. Und es gibt einige davon.

Was ich besonders stark fand, war dieser psychologische Aspekt. Tamsin ist selbst Psychiaterin und weiß, dass das Unterbewusstsein Erinnerungen blockieren kann, um sich zu schützen. Aber wie schlimm muss etwas sein, wenn dein eigenes Gehirn dich lieber ins Koma schickt, als dich die Wahrheit sehen zu lassen? Allein dieser Gedanke hat mir Gänsehaut gemacht.

Dazu kommt der emotionale Druck: Ihr Mann steht vor der Entscheidung, die lebenserhaltenden Maßnahmen zu beenden. Während sie innerlich schreit, kämpft, hofft, dass sie sich irgendwie bemerkbar machen kann. Dieses Gefühl von „Du musst dich erinnern, sonst stirbst du“ hat mich komplett gepackt.

„Voices“ ist ein Thriller, der nicht nur durch Action, sondern durch psychologische Spannung funktioniert. Beklemmend, intensiv, voller Geheimnisse. Für mich ein echtes Pageturner-Erlebnis – eines dieser Bücher, bei denen man irgendwann merkt, dass es draußen längst dunkel geworden ist und man immer noch liest.

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