Rezensionen Thriller

Andreas Winkelmann: Moorland

Inhalt von „Moorland“

Dichte Nebelschwaden hängen über der Marsch, als die 18-jährigen Zwillinge Nike und Jana von einem ihrer Ausflüge ins Moor nicht zurückkehren. Die Suche durch die eiskalte, unwegsame Landschaft bleibt erfolglos, nur eine Kamera deutet auf das Verschwinden der Mädchen hin. Als plötzlich verstörende Bilder von Jana auf ihrem TikTok-Kanal auftauchen, beginnt Kommissarin Malia Gold unter Hochdruck zu ermitteln.

Mit jedem Schritt sinkt sie tiefer in den Sumpf aus Lügen und Geheimnissen, die die verschworene Gemeinde zusammenhalten. Doch um die beiden Schwestern zu finden, würde Malia alles tun – sogar sich ihrer eigenen dunklen Vergangenheit stellen …?

Meine Meinung

Andreas Winkelmann versteht es, Schauplätze so zu beschreiben, dass sie fast zu einer eigenen Figur werden. In „Moorland“ gelingt ihm das mit dem Namenlosen Moor auf beeindruckende Weise. Man friert beim Lesen regelrecht mit, spürt den Nebel und fragt sich bei jedem Schritt der Figuren, ob der Boden unter ihnen noch tragen wird. Diese Kulisse allein wäre schon Grund genug, das Buch zu lesen, aber Winkelmann liefert eben auch einen richtig gut konstruierten Fall dazu.

Die Geschichte um die verschwundenen Zwillinge hat mich sofort reingezogen. Was mich besonders überzeugt hat: Praktisch jede Figur im Buch verhält sich auf eine Weise, die sie verdächtig macht, ohne dass es konstruiert wirkt. Man ertappt sich ständig dabei, seine eigene Theorie über den Haufen zu werfen. Die Auflösung hat mich dann tatsächlich kalt erwischt, was bei mir selten vorkommt.

Malia Gold finde ich als Ermittlerin erfrischend. Sie ist kein wandelndes Klischee, sondern eine Frau, die anpackt, dabei aber auch Ecken und Kanten hat. Dass sie sich Unterstützung aus dem privaten Umfeld holt, mag auf dem Papier unrealistisch klingen, fügt der Geschichte aber eine persönliche Note hinzu, die mir gut gefallen hat. Die Dynamik zwischen ihr und ihrer Mutter Ruth ist ohnehin das emotionale Herzstück des Buches. Beide Frauen sind stark, beide sind stur, und genau das macht ihre Szenen zusammen so interessant.

Die kurzen Kapitel sorgen dafür, dass man immer „nur noch eins“ liest und plötzlich ist es zwei Uhr nachts. Ein gelungener Auftakt, der Lust auf mehr macht.

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