Inhalt von „Die Waffen des Lichts“
Ein industrieller Wandel, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat, ergreift ganz England, auch Kingsbridge, und nimmt denjenigen, die in den Garn- und Tuchmanufakturen arbeiten, die Grundlage ihrer Existenz. Gefährliche neue Maschinen ersetzen die Arbeit von Hand und reißen Familien auseinander.
Krieg und Befreiung
Während die Herrschenden in England alles dafür tun, um ihr Land zur dominierenden Wirtschaftsmacht zu formen, greift in Frankreich Napoleon Bonaparte nach der Macht. Bald schon dürstet es ihn nach mehr: Spanien, die Niederlande, ganz Europa. Ein großer internationaler Konflikt bahnt sich an, immer mehr Männer ziehen in den Krieg. Zugleich stellt sich eine Gruppe von Kingsbridgern – darunter Spinnerin Sal Clitheroe, Tuchhändler Amos Barrowfield, Weber David Shoveller und Kit, Sals ebenso erfinderischer wie eigenwilliger Sohn – dem Kampf einer ganzen Generation. Sie streben nach Bildung und Wissen und kämpfen für eine Zukunft ohne Unterdrückung …
Meine Meinung
Mit „Die Waffen des Lichts“ kehrt Ken Follett nach Kingsbridge zurück – aber wer hier wieder mittelalterliche Kathedralenromantik erwartet, wird schnell merken: Die Zeiten haben sich geändert. Und genau das ist der Punkt.
Wir befinden uns mitten in der Industrialisierung. Maschinen übernehmen die Arbeit, die vorher in mühsamer Handarbeit erledigt wurde. Für die einen ist das Fortschritt. Für die anderen bedeutet es den Ruin. Familien verlieren ihre Existenzgrundlage, Spannungen wachsen, Wut brodelt. Follett zeigt hier sehr eindringlich, dass technischer Fortschritt kein gemütlicher Spaziergang ist, sondern oft ein sozialer Erdrutsch.
Was ich besonders spannend fand, ist die Verknüpfung dieser Umbruchszeit mit den napoleonischen Kriegen. Während in Kingsbridge um Arbeitsplätze, Bildung und Gerechtigkeit gerungen wird, brennt in Europa die große politische Bühne. Diese Gleichzeitigkeit – das Kleine im Großen – macht für mich den Reiz des Romans aus. Man spürt, wie sehr Weltpolitik und Alltagsleben ineinandergreifen.
Der Schreibstil ist gewohnt klar, detailreich, gut recherchiert. Man merkt, dass Follett tief in die Epoche eingetaucht ist. Die Mechanismen der Textilindustrie, die sozialen Spannungen, die politischen Entwicklungen – das wirkt alles fundiert und durchdacht. Gleichzeitig hatte ich diesmal nicht ganz dieses emotionale Mitreißen wie bei früheren Kingsbridge-Bänden. Figuren wie Prior Philip oder Aliena hatten für mich eine fast ikonische Präsenz. In „Die Waffen des Lichts“ bleiben die Charaktere etwas nüchterner, bodenständiger, weniger heroisch.
Das ist kein schlechter Ansatz – vielleicht sogar realistischer. Nicht jede Epoche produziert strahlende Helden. Oft sind es einfach Menschen, die versuchen, in schwierigen Zeiten zu überleben. Sal, David, Amos oder Kit kämpfen auf ihre Weise, aber die große, überwältigende Identifikationsfigur, die alles überstrahlt, habe ich hier weniger gespürt.
Man muss außerdem akzeptieren, dass Kingsbridge diesmal nicht alleiniger Mittelpunkt ist. Ein Teil der Handlung führt hinaus in die Kriegswirren Europas. Wer die Reihe vor allem wegen der engen Bindung an die Stadt liebt, könnte das als Bruch empfinden. Ich fand es nachvollziehbar – die Welt wird komplexer, größer, vernetzter. Die Industrialisierung war nun mal kein lokales Ereignis, sondern eine tektonische Verschiebung der gesamten Gesellschaft.
Für mich ist „Die Waffen des Lichts“ kein schwächster Band, aber auch nicht der stärkste der Reihe. Es ist ein Roman über Umbruch, Macht, Bildung und soziale Gerechtigkeit. Weniger Kathedrale, mehr Fabrikhalle. Weniger religiöse Intrige, mehr wirtschaftlicher Kampf.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft: Jede Generation hält ihre Zeit für außergewöhnlich. Doch wenn man genauer hinsieht, war Veränderung schon immer der Normalzustand der Geschichte. Follett erinnert uns daran, dass Fortschritt Licht und Schatten zugleich ist – und dass die wahren „Waffen“ oft Wissen, Mut und Zusammenhalt sind.







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